[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalit - PowerPoint PPT Presentation

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[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalit

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[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalit re Ausdrucksmittel in Politik und Medien aus der Sicht der Kritischen Diskursanalyse – PowerPoint PPT presentation

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Title: [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalit


1
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache I totalitäre Ausdrucksmittelin
Politik und Medien aus der Sicht der Kritischen
Diskursanalyse
  • Vorlesung, 2 SWS
  • Modul MSW_2/1 Kommunikationslinguistik der
    russischen/polnischen Sprache Kommunikationslingu
    istik I
  • Prof. Dr. Peter Kosta
  • Mi 09.15-10.45
  • 1.09.213 19.04.

2
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Vorlesung beschäftigt sich mit dem Verhältnis
    von institutioneller Macht und den sprachlichen
    Mitteln, durch welche Macht in der Kommunikation
    ausgeübt werden kann.

3
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Ausgehend von der Textsorte Schauprozess wie er
    in der Zeit des stalinistischen Totalitarismus
  • gegen den sog. antisowjetischen Block der
    Rechten und Trotzkisten im Jahre 1938 (vgl.
  • Freidhof 199695) manifestiert und
    durchexerziert worden ist und unter Einbeziehung
    weiterer
  • Korpora des totalitären Diskurses (etwa
    Slánský-Prozesse in den 50er Jahren in der
    Tschechoslowakei), werden wir uns mit Fragen der
    forensischen Linguistik auseinandersetzen.

4
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Neben der direkten Machtausübung durch Sprache
    (in der Sprache der Politik, der Medien, der
    Werbung) werden wir uns mit einschlägigen
    Bereichen der alltäglichen (Alltagsdiskurs,
    Partygespräche) und institutionellen
    Kommunikation (Arzt-Patient-Gespräche, Behörden-
    und Amtssprache, Polizeiver-höre,
    Auskunftsgespräche) beschäftigen, in der
    Be-einflussung durch Sprache auf äußerst subtile
    und in-direkte Weise, quasi unbemerkt von den
    Kommuni-kationsteilnehmern, vor sich geht.

5
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Wir stützen uns u. a. auf Theorien und Methoden,
    die in der Frankfurter und Potsdamer Schule der
    Diskursanalyse und Sprechhandlungsmusteranalyse
    entwickelt worden sind (vgl. Freidhof 1995, 1996
    Kosta 1995, 1996, 1998 Kuße 1998, 2004 Mann
    2000), beziehen dabei aber vor allem auch die
    Arbeiten der sog. Kritischen Diskursanalyse ein
    (Wodak ed. 1989, Wodak/Meyer eds. 2003,
    Wodak/Chilton eds. 2005).

6
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Lehrveranstaltung richtet sich an alle
    Studiengänge. Gäste aus den Nachbardisziplinen,
    die die geplanten Masterstudiengänge
    Fremdsprachen- und Kommunikationslinguistik
    besuchen, sind
  • willkommen.
  • Leistungsnachweis regelmäßige Teilnahme,
    Kurzreferat oder Klausur
  • Leistungsbewertung 2 LP 2 LP prüfungsrelevante
    Leistungen

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Gliederung und Ablauf der Lehrveranstaltung
  • Womit beschäftigt sich die forensische
    Linguistik? Theoretische Grundlagen
  • Grundlage der Kritischen Diskursanalyse
  • Grundlagen der Sprechhandlungsmusteranalyse
    (SHMA)
  • Synthese Forensische Linguistik, Kritische
    Diskursanalyse und SHMA

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 5. Textsorte Schauprozess/Polizeiverhör
  • 6. Zur Sprache der Politik
  • 7. Analyse der Sprache der Medien und der
    Werbung
  • 8. Analyse von Arzt-Patient-Gespräch
  • 9. Amtssprache, Behördensprache
  • 10. Beeinflussung in der Alltagssprache

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Womit beschäftigt sich die forensische
    Linguistik? Theoretische Grundlagen
  • Definitionen

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Forensik
  • aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
  • Der Begriff der Forensik stammt vom lat. forum
    der Marktplatz, das Forum, da vormals
    Gerichtsverfahren, Untersuchungen,
    Urteilsverkündungen sowie der Strafvollzug
    öffentlich und meist auf dem Marktplatz
    durchgeführt wurden. Daher bezeichnet das
    Attribut forensisch alles, was gerichtlichen oder
    kriminologischen Charakter hat. Der Begriff
    beschränkt sich damit nicht nur auf die Bereiche
    des Strafrechtes (z.B. die Rechtsmedizin und die
    forensische Psychiatrie), sondern umfasst jede
    berufliche Tätigkeit innerhalb eines jeden
    Gerichtsverfahrens.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die forensische Linguistik (eher forensische
    Phonetik) untersucht Sprache auf einen
    kriminologischen Aspekt hin, z.B. bei der
    Feststellung des Urhebers eines
    Erpres-serbriefes.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Schauprozess
  • Als Schauprozesse werden im Allgemeinen
    öffentliche Gerichtsverfahren bezeichnet, bei den
    die Verurteilung des Beklagten bereits im
    Vorhinein feststeht. Das verbleibende Ziel ist,
    die Gründe der Bestrafung in die Öffentlichkeit
    zu bringen. Typisch werden Schauprozesse als
    Mittel zur Verfolgung politischer Gegner oder
    anderer unerwünschter Personen eingesetzt.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Schauprozesse werden besonders häufig in
    diktatorischen Systemen verwendet, um missliebige
    Personen auszuschalten. Sie finden dann oft unter
    Missachtung aller rechtsstaatlicher Prinzipien
    statt und dienen zur Eliminierung, Entwürdigung
    und Zurschaustellung der Beklagten in der
    Öffentlichkeit. Daher werden sie oft als große
    Medienspektakel inszeniert und dienen der
    Abschreckung und Disziplinierung Andersdenkender.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Im Wesen dieser Prozesse liegt die Aufbauschung
    vermeintlicher oder unwesentlicher Vergehen zu
    staats- oder gesellschaftszersetzenden
    Verbrechen. So wird z. B. Kritik an der
    gegenwärtigen Regierung zu Hochverrat, Spionage
    oder ähnlichem hochstilisiert. Die andere
    Variante ist die Erfindung von irgendwelchen
    Delikten, die die Angeklagten begangen haben
    sollen.

15
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Angeklagten haben praktisch keine Möglichkeit
    der Verteidigung und die Geständnisse werden
    meist im Prozessvorfeld erpresst oder unter
    Folter gemacht. Die Urteile stehen in den meisten
    Fällen schon vorher fest. Die Anklage wird in
    polemischer Form vorgetragen und das Urteil ist
    unverhältnismäßig hart.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die bekanntesten historischen Schauprozesse sind
  • Die Verfahren gegen die politischen Gegner
    Stalins während der Stalinschen Säuberungen in
    der Sowjetunion in den dreißiger Jahren des 20.
    Jahrhunderts, wobei fast alle vorherigen
    Kampfgenossen, insbesondere die Verbündeten
    Lenins, große Teile der Parteiprominenz sowie
    Millionen Menschen entweder hingerichtet oder in
    den Straflagern des Gulag zugrundegerichtet
    wurden.

17
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Nach dem Vorbild der Moskauer Schauprozesse ließ
    Stalin später ähnliche Prozesse in den
    Satellitenstaaten inszenieren. Diese Prozesse
    dienten als Kampf- und Propagandainstrument in
    der Auseinandersetzung mit Tito. Die Angeklagten
    wurden meist des Hochverrats und der Spionage im
    Dienste Jugoslawiens beschuldigt. Auch diese
    Prozesse endeten teilweise mit Todesurteilen oder
    langjährigen Zuchthausstrafen. Diese Prozesse
    fanden gerade in der Hochzeit des Kalten Krieges
    Ende der 1940er und in den 1950er Jahren Ungarn
    (József Mindszenty, Laszlo Rajk), CSSR (Rudolf
    Slansky), Bulgarien (Kostoff). Ähnlich
    drakonische Strafen wurden in Geheimprozessen wie
    den Waldheimer Prozessen in der DDR verhängt.

18
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Verfahren gegen die Hitler-Attentäter und
    Verschwörer des 20. Juli 1944. Es fand beim
    Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland
    Freisler statt. Die Prozesse wurden für Hitler
    und die Wochenschau heimlich gefilmt, kamen
    jedoch nicht in die Kinos, weil der unter
    wütendem Geschrei Freislers geführte Prozess der
    NS-Propaganda als nicht öffentlichkeitswirksam
    empfunden wurde.

19
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Auch Kriegsverbrecherprozesse werden regelmäßig
    als Siegerjustiz kritisiert. Im Gefolge der
    demonstrativen juristischen Aufarbeitung wird
    besonders von Anhängern des besiegten Regimes
    jede Unregelmäßigkeit im Verfahren als Indiz
    einer Farce im Sinne eines Schauprozesses
    gewürdigt. Dies trifft selbst geschichtlich
    respektierte Vorgänge wie den Nürnberger Prozess
    gegen die Hauptkriegsverbrecher.
  • Die Stalinschen Schauprozesse wurden literarisch
    von Arthur Koestler in seinem Roman
    "Sonnenfinsternis" verarbeitet.

20
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Stalinsche Säuberungen
  • aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
  • Stalinsche Säuberungen (??????,Tschistki) ist ein
    Euphemismus für politische Verfolgungen unter
    Josef W. Stalin in der Sowjetunion. Diese
    Säuberungen hatten ihren Höhepunkt in der
    sogenannten Großen Säuberung von 1936 bis 1938.
    Damit ist der systematische Terror gegen
    angeblich gegen Stalin konspirierende Unschuldige
    gemeint, der oft als gerichtliche Verfolgung
    getarnt und durch unter Folter erpresste
    Geständnisse begründet (Schauprozess),
    Hunderttausenden den Tod brachte.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Inhaltsverzeichnis
  • Verbergen
  • 1 Hintergrund
  • 2 Opfer
  • 3 Straflager
  • 4 Einige der prominenten Opfer
  • 5 Anzahl der Opfer
  • 6 Stalins Propaganda
  • 7 Literatur
  • 8 Verwandte Themen

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Hintergrund
  • Hintergrund waren verschiedene, einander
    ablösende Verschwörungstheorien, unter anderem
    gegen Trotzkisten, Titoisten und die der
    Ärzteverschwörung bezichtigten jüdischen
    Mediziner. Ebenso wie ein großer Teil der Gründer
    der III. Internationale wurden nahezu alle
    bedeutenden Theoretiker der KPdSU(B) während der
    Revolutionsjahre Opfer dieser Säuberungen.
    Chefankläger von 1936 bis 1938 war der
    Generalstaatsanwalt der Sowjetunion Andrej
    Januarjewitsch Wyschinski.

23
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Außerdem wurde ein Großteil der militärischen
    Führungsspitze um Marschall Michail
    Nikolajewitsch Tuchatschewski - unter Mithilfe
    der Gestapo - einer Verschwörung bezichtigt und
    ausgelöscht. Auch viele Kommunisten anderer
    Herkunft, die in die Sowjetunion emigriert waren,
    fielen den Verfolgungen zum Opfer. Im Jahre 1940
    wurde der Hauptverantwortliche für die
    Durchführung der Säuberungen Nikolai Iwanowitsch
    Jeschow (1895-1940) (nach ihm auch Jeschowtschina
    genannt), der von 1936 bis 1938 Chef des NKWD
    (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten)
    und Mitglied des Zentralkomitees der KPDSU(B)
    gewesen war, ebenso wie bereits sein Vorgänger
    Genrich Grigorewitsch Jagoda (1891-1938), selbst
    zum Opfer des stalinistischen Terrors.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Opfer
  • Stalin ließ nicht nur seine vermeintlichen
    politischen Gegner, darunter zahlreiche
    ausländische Kommunisten, die in der Sowjetunion
    lebten oder vor Verfolgung dorthin emigriert
    waren, in Schauprozessen aburteilen, sondern es
    wurden ganze Völker der Sowjetunion, ethnische
    Minderheiten, in Lager (Gulag) deportiert.
    "Kulaken" (Großbauern) und willkürlich als solche
    Deklarierte, Priester und Mönche sowie kirchliche
    Laien fielen den Säuberungen zum Opfer. Selbst
    die Angehörigen der Verhafteten blieben nicht
    verschont. So wurden regelmäßig selbst
    unpolitische Menschen verhaftet, um das dafür
    vorgegebene Plansoll zu erfüllen und damit
    Gefängnisse sowie Straflager zu füllen.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Straflager
  • Die Opfer von Stalins Willkür wurden in
    Arbeitslager (Gulag) gebracht, wo sie unter
    unmenschlichen Bedingungen Waldarbeiten,
    Straßenbau, Kanalbau, Eisenbahnbau, Städtebau,
    Arbeit in Bergwerken, sowie Erdarbeiten
    verrichten mussten. Beispielsweise wurde der
    Weißmeer-Ostsee-Kanal, Teile der Transsibirischen
    Eisenbahn sowie Teile der Baikal-Amur-Magistrale
    von Häftlingen gebaut. Die Lebens- und
    Arbeitsbedingungen waren äußerst schlecht.
    Teilweise erhielten die Häftlinge lediglich 300
    Gramm und zudem feuchtes Schwarzbrot und einen
    Teller Brennnesselsuppe am Tag, verfügten auch im
    Winter nur über leichte Sommerbekleidung und
    lebten in hölzernen Baracken. Das Plansoll
    entschied über die Länge des Arbeitstages, der
    oft mehr als 12 Stunden betrug.
  • Viele Menschen wurden nach Folterungen
    exekutiert Während der Großen Säuberung wurden
    im Mittel tausend Menschen am Tag ermordet.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Einige der prominenten Opfer
  • Den Säuberungen fielen
  • 40 Mitglieder oder ehemalige Mitglieder des
    Zentralkomitees der KPdSU(B)
  • 9 frühere Mitglieder des Politbüros der KPdSU(B)
  • 3 von 5 Marschällen der Sowjetunion
  • 13 von 15 Armeekommandeuren
  • alle 16 Politkommissare der Armeen
  • 25 von 28 Korpskommissaren
  • alle elf Stellvertreter des Volkskommissars für
    Verteidigung
  • 98 von 108 Mitgliedern des Obersten Militärrats
    zum Opfer.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 2. Doppelstunde Grundlagen der Kritischen
    Diskursanalyse
  • Wir wollen übrigens das Wort nicht verachten.
    Es ist doch ein mächtiges Instrument, es ist das
    Mittel, durch das wir einander unsere Gefühle
    kundtun, der Weg, auf den anderen Einfluss zu
    nehmen. Worte können unsagbar wohl tun und
    fürchterliche Verletzungen zufügen. Gewiss, zu
    allem Anfang war die Tat, das Wort kam später, es
    war unter manchen Verhältnissen ein kultureller
    Fortschritt, wenn sich die Tat zum Wort
    ermäßigte. Aber das Wort war ursprünglich ein
    Zauber, ein magischer Akt, und es hat noch viel
    von seiner alten Kraft bewahrt (Freud, 1976,
    XIV, S. 214).

28
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • In diesem Zitat unterstreicht Freud die Macht des
    Wortes, der Sprache, gleichzeitig dessen
    Bedeutung für den Fortschritt der Menschheit
    und der Kultur Von zunächst wortlosen, stummen
    Handlungen habe sich der Mensch weiterentwickelt,
    sei über Sprache und Kommunikation in der Lage,
    Taten zu planen und nachher zu reflektieren.
    Worte können zwar Schmerzen zufügen, aber nicht
    sogleich töten Freud relativierte jedoch seine
    Aussage Nur unter manchen Verhältnissen kann
    dieser Fortschritt als positiv angesehen werden.
    Es kommt natürlich darauf an, wer zu wem, wann,
    wo, mit welchen Motiven, welchen Mitteln und mit
    welcher Macht ausgestattet spricht.

29
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Kritische Diskursanalyse, inspiriert von den
    Schriften Michel Foucaults und orientiert an
    kultur- und literaturwissenschaftlichen Analyse-
    und Interpretationsverfahren, erfreut sich
    zunehmender Beliebtheit in allen Disziplinen, die
    mit Texten zu tun haben. Sowohl Pädagogen wie
    Psychologen, Sozial-, Sprach- und
    Literaturwissenschaftler, Medien- und
    Kommunikationswissenschaftler haben inzwischen
    erfolgreich mit den Vorschlägen, die die
    Kritische Diskursanalyse enthält, Diskurse
    analysiert und interpretiert. Das kritische
    Potential, das dieses Verfahren enthält, macht
    dieses besonders geeignet, gesellschaftlich
    brisante Themen zu analysieren, ihre Formen und
    Inhalte zu problematisieren und zu kritisieren,
    ungerechtfertigte Wahrheitsansprüche offen zu
    legen, Widersprüche aufzudecken und die
    suggestiven Mittel diskursiver Ansprache
    aufzuzeigen.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Kritische Diskursanalyse (CDA) knüpft an
    Untersuchungen der frühen 70er Jahre des 20. Jh.
    an. Die CDA geht von den folgenden kritischen
    sozio- und textlinguistischen Fragen aus, die man
    bei Brecht (Darstellung von Sätzen in einer neuen
    Enzyklopädie, Werke 2014) wie folgt vorfindet
  • 1. What is the use of the sentence?
  • 2. To whom does it pretend to be useful?
  • 3. What is its challenge?
  • 4. What is its practical purpose?
  • 5. Which sentence follows which sentence? What
    sentences support it?
  • 6. In which situation is it spoken? By whom?
    (Bertold Brecht, Darstellung von Sätzen in einer
    neuen Enzyklopädie, Werke 2014)

31
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die CDA stellt sich ebenfalls die folgenden
    Fragen, wobei sie nicht wie Brecht von Sätzen,
    sondern von Sprechhandlungen bzw. Diskurs/Texten
    ausgeht
  • Wie sieht die Sprecherabsicht (Intention) einer
    Sprechhandlung aus?
  • Was passiert danach?
  • Welche anderen Handlungsziele konstituieren die
    sog. illokutionäre Kraft der Äußerung/des
    Sprechakts?
  • Wie sehen die sozialen und politischen Praktiken
    solcher Äußerungen aus?
  • Daneben sind folgende Fragen der Rederechtvergabe
    und Rederechtsteuerung von immanenter
    Bedeutung Who takes the floor? Who controls?
    Who chooses? Who defines what is good or bad
    (language) behaviour?

32
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • CDA ist im Gegensatz zu anderen
    Forschungsrichtungen der pragmatisch orientierten
    Linguistik (z. B. Konversationsanalyse der
    US-Ethnolinguistik Sacks/Schegloff oder die
    klassische SA-Theorie) nicht rein deskriptiv und
    keinesfalls neutral angelegt.
  • Die Leitidee der CDA (cf. Habermas 1971) besteht
    darin, Ungerechtigkeit und Ungleichheit offensiv
    und parteiisch aufzudecken, zu entblößen, zu
    enttarnen, eindeutige Stellung zu beziehen, sich
    für die Machtlosen und Unterdrückten einzusetzen.
  • Damit soll nicht unterstellt werden, dass diese
    Forschungsrichtung einseitig oder gar
    unwissenschaftlich sei.
  • Die CDA geht nach dem Leitmotiv vor diagnosis
    first and therapy to follow. (cf. Wodak et al.
    1985, 1986ab Wodak/Quasthoff eds. 1985 Wodak
    ed. 1989, xiv).

33
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Summary Critical Linguistics (CDA)
  • The most important characteristics of critical
    research are
  • A. Research interests Uncovering inequality and
    injustice.
  • B. Object under investigation Language behaviour
    in natural speech situations of social relevance
    (institutions, media, minority problems, racism
    etc.) is to be investigated. All situations which
    are threatening or involve power play between
    individuals are of interest.
  • C. Interdisciplinary research Social phenomena
    are too complex to be dealt with adequately in
    only one field.
  • D. Empirical research Data from natural speech
    situations are to be analyzed. Nevertheless,
    theory and methodology, values and aims are to be
    discussed explicitly.

34
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Summary Critical Linguistics (CDA)
  • E. Inclusion of the historical perspective
    Social processes are dynamic, not static. This
    has to be reflected in the theory and in the
    methodology.
  • F. Leitmotif of critical research Diagnosis
    first, interpretation and therapy to follow!
  • G. Researchers are forced to take sides
    Especially in empirical research, the subjects
    under investigation cannot be treated as objects
    any longer. Research includes the researched
    and, eventually, ought to help them (if
    possible).
  • H. Social and political practice is aimed at
    Results of research not only imply success in the
    academic field, but they should also include
    proposals for practical implementation.

35
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Summary Critical Linguistics (CDA)
  • I. Necessity for new notions and extensions of
    traditional concepts of language behaviour and
    meaning Social phenomena are very complex,
    irrational and rational. Many different and
    ambivalent, conscious and subconscious motives
    are relevant. Thus multiple methods, manifest and
    latent meanings, cognitive and affective aspects
    are important. Finally, the historical and social
    context should not be neglected.
  • Quellen
  • Wodak, Ruth. (ed.). 1989. Language, power, and
    ideology studies in political discourse.
    Amsterdam, Philadelphia Benjamins. (Critical
    Theory, 7). ES 155 LAN.

36
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Jäger, Siegfried. 1993. Kritische Diskursanalyse.
    Eine Einführung.
  • ISBN 3-89771-732-8. Ausstattung br., 404 Seiten
    Preis 24.00 Euro.
  • Inhalt
  • Soziolinguistik und Qualitative Sozialforschung
    Die Tätigkeitstheorie A.N. Leontjew Vom Text
    zum Diskurs diskurstheoretische Ansätze im
    Überblick Die Diskurstheorie Michel Foucaults
    Kollektivsymbolik Die Macht der Diskurse Zum
    Verhältnis von Diskurs und Wirklichkeit
    Diskurs, Wissen, Macht, Subjekt Wirkung von
    Diskursen auf individuelles und kollektives
    Bewusstsein - Analyseverfahren Kritische
    DiskursanalyseEthisch begründete Kritik Kritik
    gegen Herrschaft Relativität von Kritik
    Musteranalysen

37
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 3. Grundlagen der Sprechhandlungsmusteranalyse
    (SHMA)
  • 3.1 Ausgangsthesen der klassischen
    Sprechakttheorie
  • Der englische Philosoph John Langshaw Austin
    (1911-1960) hat in seinen berühmten
    Harvard-Vorlesungen von 1955, die erst nach
    seinem Tode im Jahre 1962 (siehe Literaturliste,
    Position 1.) veröffentlicht wurden, die Frage
    gestellt, wie wir etwas mit Worten tun.

38
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese Frage hat seitdem viele Philosophen und
    Sprachwissenschaftler zu einem Umdenken ihrer
    bisherigen Vorstellungen über Sprache geführt
    fast wie selbstverständlich reden wir heute von
    Sprachhandlungen und Sprechakten. Dennoch ist der
    theoretische und praktische Kontext, in dem wir
    diese Begriffe sinnvoll gebrauchen können, noch
    relativ unklar und ungeklärt.

39
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Welche Arten von Sprachhandlungen lassen sich
    unterscheiden?
  • Was ist die Funktion von Sprachhandlungen für die
    Weiterführung von Kommunikation, für die
    Entwicklung sozialer Beziehungen, für die
    gesellschaftliche Praxis im allgemeinen?
  • Welche Wörter, Ausdrücke und Konstruktionen
    müssen wir gebrauchen, um bestimmte
    Sprachhandlungen auszuführen und den mit diesen
    Sprachhandlungen intendierten Effekt beim Hörer
    zu erzielen?

40
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese und ähnliche Fragen sollen im Mittelpunkt
    der heutigen Vorlesung stehen.
  • Seit einigen Jahren befasse ich mich mit den von
    Austin zu Bewusstsein gebrachten Problemen. Einen
    wesentlichen Einfluss hatten auf meine Arbeit zum
    einen die philosophischen Schriften von Paul
    Grice (siehe Position 4. der Literaturliste) und
    John Searle (siehe Position 2. und 3.) sie haben
    auf einige Probleme bei Austin hingewiesen,
    andere jedoch hinzugefügt, andere wiederum
    vernachlässigt.

41
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese philosophischen Arbeiten versuchen, teils
    logische, teils sprachpsychologische Klärungen
    vorzubereiten, sie stehen aber leider in keiner
    direkten Beziehung zu empirischen Untersuchungen
    und haben auch keine Methodik dafür entwickelt.
    Um den Abfolgezusammenhang von Sprachhandlungen
    in der menschlichen Interaktion und den Bezug auf
    soziale Bedürfnisse, wie er uns vorschwebt, hat
    sich keiner der genannten Philosophen gekümmert.

42
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese Sichtweise rückt gerade heute wieder
    stärker ins Blickfeld, nicht zuletzt unter dem
    Einfluss der Theorie des kommunikativen Handelns
    von Jürgen Habermas. Einen dritten wichtigen
    Einfluss hatten auf meine Arbeit die
    interaktionssoziologischen Untersuchungen,
    besonders von Harvey Sacks, Emanuel Schegloff und
    John Gumperz. Sie haben vor allem die
    interaktionale Ausarbeitung von sozialen
    Situationen hervorgehoben und eine sehr diffizile
    Methodik empirischer Untersuchungen entwickelt,
    besonders im Hinblick auf die formalen Aspekte
    der Interaktion.

43
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Der zweite Teil der Lehrveranstaltung ist - wie
    schon der Titel verrät - der sprachwissenschaftlic
    hen Analyse von Gesprächen gewidmet. Seit mehr
    als 20 Jahren lässt sich in der Linguistik eine
    deutliche Abkehr von Sprache als System und eine
    gleichzeitige Hinwendung zur Sprache in ihrem
    natürlichsten Vorkommen im Dia- bzw. Polylog
    beobachten. Die Beschäftigung mit Sprache in
    Verwendung hat mehrere konkurrierende Richtungen
    hervorgerufen, so u. a.

44
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • - die Konversationsanalyse
  • - die Diskursanalyse
  • - die Dialoganalyse
  • - die Gesprächsanalyse

45
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese Variation der Begriffe und Termini darf
    nicht täuschen Was sich nämlich unter
    wechselndem Namen versteckt, reflektiert in
    Wirklichkeit eine Rezeption der amerikanischen
    "conversational analysis" dar oder ist doch im
    wesentlichen durch diese ins Leben gerufen
    worden.

46
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Am Ende dieser Lehrveranstaltung soll der Versuch
    unternommen werden, Gemeinsamkeiten und
    Unterschiede der Sprechakttheorie und der
    Gesprächsanalyse herauszuarbeiten
  • Literaturverweise siehe http//www.uni-potsdam.de
    /u/slavistik/vc/mike/discurs/lit.htm

47
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Distinktion konstativ vs. performativ
  • Ich möchte zunächst einige wichtige
    Begrifflichkeiten einführen, die für das
    allgemeine Verständnis der späteren Ausführungen
    zur "Bewertung als Sprachhandlung" eine
    unbedingte Voraussetzung bilden.

48
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 1. Die erste wichtige Dichotomie in der
    SA-Theorie Austins ist das Paar performativ vs.
    konstativ.
  • Zunächst möchte ich kurz auf den
    sprachphilosophischen "background" zu sprechen
    kommen, der den Ausgangspunkt dieser
    Unterscheidung bildet
  • Seit GOTTLOB FREGELS (1892) Unterscheidung von
    Sinn und Bedeutung einer Aussage wird die
    Bedeutung einer Satzaussage durch den
    Wahrheitswert bestimmt

49
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Der Satz "Die Katze ist kleiner als die Maus."
    stimmt entweder mit der Wirklichkeit überein, und
    ergo der Satz ist wahr oder nicht und ergo der
    Satz ist falsch
  • Ich zitiere "So werden wir dahin gedrängt, den
    Wahrheitswert eines Satzes als seine Bedeutung
    anzuerkennen. Ich verstehe unter dem
    Wahrheitswert eines Satzes den Umstand, dass er
    war oder falsch ist. Weitere Wahrheitswerte gibt
    es nicht." (Zitiert nach der Ausgabe von G.
    PATZIG (ed.), Funktion, Begriff, Bedeutung.
    Göttingen 1969, S. 48.)

50
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Problematisch an dieser Bestimmung ist die
    Tatsache, dass von dieser Definition nur die
    assertorischen Sätze erfasst werden.
  • Diese logisch-positivistische Satzbedeutungstheori
    e betrifft ausschließlich Sätze mit dem Modus der
    "Assertion", d. h. Aussagen, Behauptungen,
    Beschreibungen etc. oder eben Propositionen, die
    ohne Modus sind. Insofern werden auch Fragen bzw.
    Befehle aus dem Begriff ausgeklammert.

51
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Interessierte sich der Logische Positivismus (z.
    B. Wiener Kreis um Wittgenstein) nur für Sätze,
    die die Aussagen (Assertionen) beinhalten, so
    interessierten J. L. AUSTIN gerade die
    nicht-assertorischen Sätze. Er "persiflierte" den
    logisch-positivistischen "statemental-approach" -
    auch bekannt in der deutschen SA-Forschung unter
    dem Begriff "deskriptiver Fehlschluss" mit
    folgenden Worten

52
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • "Natürlich waren es die Philosophen gewohnt so zu
    reden, als ginge ich oder irgend jemand anderer
    herum und sagte alles über alles aus, und das
    wäre vollkommen in Ordnung, und es gäbe nur die
    kleine Frage ist das wahr oder falsch." (Zitiert
    nach BRAUROTH/SEYFERT et al. (ed.), Performative
    Utterences, in Phil. Papers 236, 1978, S. 138.)

53
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Selbstverständlich war es schon immer bekannt,
    dass es neben Assertionen (w/f) auch
    nicht-assertorische Sätze in natürlichen Sprachen
    gibt.
  • Aufgabe 1
  • http//www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/mike/disc
    urs/aufg1.htm

54
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Novum an der Austinschen Feststellung ist, dass
    auch ein großer Teil der Sätze im Präsens
    Indikativ keine Assertionen (Aussagen) in dem
    Sinne darstellen, dass sie etwas beschreiben,
    berichten oder behaupten. Vielmehr stellt ihre
    Lokution (Äußerung) ein HANDELN dar, und
    Handlungen kann man nicht als wahr (w) oder
    falsch (f) klassifizieren.

55
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Sätze dieser Klasse sind z. B.
  • (1) Ich taufe dieses Schiff auf den Namen "Queen
    Elizabeth".
  • (2) Ich vermache meine Uhr meinem Bruder.
  • (3) Ich wette einen Fünfziger, dass es morgen
    nicht regnet.

56
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Mit den Äußerungen der Sätze (1) bis (3)
    beschreibt man nicht etwa, was man tut (nämlich
    "taufen", "eine Uhr vermachen", "wetten"), man
    macht auch keinen "Bericht" über Schiffstaufen,
    Geschenke oder Wetten es handelt sich bei (1)
    bis (3)auch um keine "Feststellung" (man kann z.
    B. nicht mit "Das ist nicht wahr" darauf
    reagieren).
  • Die Äußerung der Sätze (1) bis (3) stellt die
    Handlung selbst dar, denn mit ihrer Äußerung
    führt man gewissermaßen die Handlung aus!

57
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • In dieser Hinsicht sind diese Äußerungen
    verschieden von den Äußerungen (4) bis (6)
  • (4) Ich fahre mit der "Queen Elizabeth".
  • (5) Ich blicke auf meine Uhr.
  • (6) Ich habe einen Fünfziger bei mir.

58
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Aufgabe 2
  • http//www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/mike/disc
    urs/aufg2.htm

59
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Sätze des Typs (1) bis (3) wollen wir fortan als
    performative Sätze bzw. Äußerungen bezeichnen, da
    man mit ihnen zugleich eine Handlung
    (performance) ausführt.
  • Sätze des Typs (4) bis (6) werden zunächst als
    konstative Sätze bzw. konstative Äußerungen
    bezeichnet (im Anschluss an Austin).

60
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die beiden Typen von Äußerungen lassen sich durch
    folgendes Merkmalbündel (vorläufig)
    charakterisieren
  • 7)
  • Wahrheitswert Vollzug
    der Handlung
  • performative Äußerungen ?
    ?
  • konstative Äußerungen ?
    ?

61
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Um präzise zu sein, sollten wir den Begriff
    "Satz" vermeiden, denn Sätze selbst können nicht
    wahr oder falsch sein, insbesondere wenn sie
    anaphorische oder deiktische Formen nicht
    enthalten. Der Satz
  • (5) Ich blicke auf meine Uhr.
  • ist nicht verifizierbar, da aus der Form des
    Satzes nicht hervorgeht, auf welchen empirischen
    Tatbestand er sich bezieht, z. B. wer ist der
    "Ich" dieses Satzes, wann (zu welchem Zeitpunkt)
    gilt die Aussage (5).

62
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Man sollte daher bei den konstativen "Sätzen" des
    Typs (4) bis (6) lieber von "Äußerungen"
    sprechen, wie dies auch Austin getan hat, bzw.
    von Sprechakten, obwohl es natürlich auch Sätze
    gibt, deren Wahrheitswert unabhängig von der
    Äußerungssituation (Deixis) ist, z. B.
    generische, universelle, definitorische,
    deontische oder logische Sätze des Typs (8) bis
    (14).

63
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • (8) Die Zahl "3" ist eine Primzahl. (w)
  • (9) Der Mond besteht aus grünem Käse. (f)
  • (10) poln. W Anglii jezdzi sie lewa strona
    ulicy. "In England fährt man links." (w)
  • (11) russ. Jaguary v Južnoj Amerike vymirajut.
    "Der Jaguar (gen. prox.) stirbt in Südamerika
    aus." (w)
  • (12) russ. Cypljat po oseni scitajut. "Man soll
    den Tag nicht vor dem Abend loben."
  • (13) cech. Na zacátku vety se píše velké
    písmeno. "Am Satzanfang schreibt man (gen. univ.)
    groß." (w)
  • (14) cech. Zákony musí být dodržovány (všemi).
    "Gesetze müssen (von allen/generell) befolgt
    werden." (w)

64
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Der Satz "Der Mond besteht aus grünem Käse" ist
    nur insofern ohne Kontext als wahr oder falsch zu
    beurteilen, insofern man weiß, worauf sich das
    Nomen "Mond" bezieht, d. h. auf welches Objekt
    der außersprachlichen Wirklichkeit es sich
    konkret bezieht/worauf es "referiert". Ich will
    dies anhand der folgenden Skizze zeigen
  • Mond1 Begleiter der Erde, d. h. Satz (9a) ist
    falsch
  • Mond2 Attrappe (Nachbildung), vielleicht als
    Werbegag der Lebensmittelbranche , d. h. Satz
    (9b) ist wahr.

65
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Daraus folgt die pragmatisch ausgerichtete
    Satzanalyse untersucht die Satzsemantik gerade im
    HANDLUNGSKONTEXT! Ihre kleinste Einheit ist die
    Äußerung, nicht aber der isolierte Satz oder das
    isolierte Wort.

66
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Zwischenfazit
  • Für uns ist die Erkenntnis wichtig, dass eine
    semantische Theorie, die pragmatische Faktoren
    wie Weltwissen der Kommunikationspartner
    einbezieht, den Bereich der Erkenntnistheorie,
    der so genannten "ordinary language philosophy"
    berührt und in die von Hintikka begründete
    Richtung der "Semantik der möglichen Welten"
    mündet.
  • Austin nennt Äußerungen wie "Ich taufe dieses
    Schiff auf den Namen "Queen Elizabeth"."
    performative Äußerungen (aus engl. perform
    handeln, vollziehen).
  • Performative Äußerungen sind solche, mittels
    denen man Handlungen vollzieht oder vollbringt.
    Die Unterscheidung zwischen performativ -
    konstativ bestimmt Austin als "die Unterscheidung
    zwischen Tun und Sagen" (Austin, Theorie 63).

67
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Handlungen, die mit Hilfe von performativen
    Äußerungen vollzogen werden können, kann man auch
    nonverbal vollbringen.
  • Statt zu sagen "Hiermit schenke ich Dir eine
    Mark", kann man die Handlung so ausführen (z. B.
    die Mark in die Hand des Dialogpartners drücken).

68
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Performative Äußerungen erfordern immer auch die
    Reaktion des Hörers. Wenn man z. B. jemandem eine
    Mark schenkt, zieht dieser Akt der Schenkung
    nicht nur Besitzerwechsel nach sich, sondern
    setzt voraus, dass der Beschenkte die Mark
    annimmt!
  • Tut er das - aus welchen Gründen auch immer -
    nicht, dann ist zwar meine Äußerung "Ich schenke
    Dir eine Mark" nicht "Falsch" (also keine
    konstative Äußerung), aber da die Handlung nicht
    zustande gekommen ist, sie "verunglückt"
    ("unhappy", wie Austin das nennt).

69
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Performative Sprechakte können, wie alle anderen
    Handlungen auch, glücken oder misslingen.
  • Dem "Wahrheitskriterium" der konstativen
    Äußerungen entspricht das "Erfolgskriterium" der
    performativen Äußerungen.
  • Zu fragen wäre hier, wie die Struktur des
    Gelingens oder Misslingens eines SAs von Austin
    im einzelnen klassifiziert werden. Die Lehre von
    den Unglücksfällen" (infelicities) bestimmt
    diese Determinanten, die den Handlungscharakter
    der Äußerungen verbürgen.

70
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Ich will diese Unglücksfälle hier zunächst noch
    ausklammern. Wichtiger erscheint mir die
    Unterscheidung zwischen expliziten performativen
    Äußerungen des Typs
  • (1) // "Hiermit spreche ich Dir ein Lob aus." und
    den primären performativen Äußerungen wie
  • (2) // "Das hast Du schön gemacht."
  • Beide Sätze bzw. Äußerungen stellen den Sprechakt
    (performative Äußerung) des "Lobes" dar.

71
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Aber im ersten Satz steht die so genannte
    performative Formel obligatorisch als Form 1. Ps.
    Sg./Pl. Präsens Indikativ Aktiv von einem
    Handlungsverb wie LOBEN, TADELN, TAUFEN, WETTEN
    etc. und durch das Modalwort "hiermit",
    "hierdurch" modifiziert werden.
  • Die performative Formel verdeutlicht den
    Handlungscharakter durch das Benennen der
    Handlung direkte Handlungsreferenz.
  • Steht das performative Verb dagegen nicht im
    Präsens und/oder nicht in der 1. Ps., dann
    bedeutet seine Verwendung nicht gleichzeitig den
    Handlungsvollzug selber, sondern einen bloßen
    Bericht über eine Handlung, z. B.
  • (1) a. "Damals habe ich ihn gelobt."
  • (1) b. "An Pfingsten wurde Anja getauft."
  • Diese Äußerungen (1a-b) sind verifizierbar oder
    falsifizierbar, also wahrheitsfähig/bzw.
    wahrheitswertfähig, und somit als konstative
    Äußerungen zu bezeichnen!

72
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die so genannten Handlungsäußerungen enthalten
    keine performative Formel. Sie gelten daher als
    primär, weil Austin der Überzeugung ist, dass die
    expliziten die implizit-primären voraussetzen!
  • Hausaufgabe
  • Lesen Sie im Internet unter der folgenden Adresse
    die Begriffserklärung zu den Termini Lokution,
    Illokution und Perlokution
  • http//www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/mike/disc
    urs/lok.htm

73
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die grundlegenden Aussagen der klassischen
    SA-Theorie (unter Vernachlässigung der
    Unterschiede zwischen Austin (1961, dt. 1989) und
    Searle (1969, dt. 1992)) lassen sich in folgenden
    Thesen zusammenfassen
  • 1. Sprachtheorie ist Teil einer allgemeinen
    Handlungstheorie
  • 2. Das Sprechen einer Sprache ist Regel
    geleitetes intentionales Verhalten
  • 3. Die Grundeinheit der sprachlichen
    Kommunikation ist der illokutive Sprechakt
  • 4. Für den Vollzug von Sprechhandlungen lassen
    sich notwendige und hinreichende Bedingungen
    aufstellen

74
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 5. Sprechhandlungen setzen sich aus mehreren
    simultan vollzogenen, nicht voneinander
    isolierbaren Teilakten zusammen
  • aus Äußerungsakten, die die Artikulation von
    Morphemen, Wörtern und Sätzen beinhalten
  • aus propositionalen Akten, die einen Sachverhalt
    einführen und durch die Sprechakte der Referenz
    und Prädikation konstituiert werden
  • aus illokutionären Akten, die die kommunikative
    Funktion der Sprechhandlung bezeichnen m. a. W.
    Indem man etwas sagt, realisiert man eine
    BEHAUPTUNG, AUFFORDERUNG, WARNUNG usw.

75
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 6. Der illokutionäre Akt kann eventuell einen
    perlokutionären Effekt, d. h. eine nicht
    konventionelle Wirkung des illokutionären Akts,
    beim Rezipienten hervorrufen.
  • 7. Sprachliche Äußerungen erfüllen bestimmte
    kommunikative Funktionen, sog. illokutionäre
    Rollen, die sich durch den Gebrauch
    entsprechender sprachlicher Mittel, der
    Indikatoren der illokutionären Rolle, bestimmen
    lassen (illokutive Indikatoren für eine
    AUFFORDERUNG sind im Dt. etwa bitte und
    gefälligst. In Imperativsätzen kooperieren die
    beiden Lexeme mit dem Satztyp und spezifizieren
    die AUFFORDERUNG im Fall von bitte als BITTE
    (vgl. Gib mir bitte das Buch!) und im Fall von
    gefälligst als FORDERUNG (vgl. Mach gefälligst
    die Tür zu!). Im Russ. wird z. B. durch die
    Konstruktion ne Imperativ des Verbs im perf.
    Aspekt eine WARNUNG indiziert (vgl. Ne opozdaj!
    Ne upadi! Ne poterjaj!), während dieselbe
    Konstruktion mit dem ipf. Aspekt das neutrale
    VERBOT indiziert, vgl. Ne opazdyvajte na uroki!

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die illokutionäre Rolle oder der kommunikative
    Sinn einer Äußerung ergibt sich aus dem
    Interaktionszusammenhang. Zum Beispiel kann die
    Äußerung
  • Morgen komme ich
  • in Abhängigkeit von dem spezifischen
    Kommunikationskontext als BEHAUPTUNG,
    VERSPRECHEN, WARNUNG oder DROHUNG aufgefasst
    werden.

77
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Durch die explizit performative Formel (Verb in
    der 1. Pers. Sg./Plur., Aktiv, Präsens, Indikativ
    oder 2./3. Pers. Sg. Oder Plural, Passiv,
    Präsens, Indikativ) kann die illokutionäre Rolle
    einer Sprechhandlung verbal expliziert werden.
    Das obige Beispiel könnte also u. a.
    folgendermaßen paraphrasiert werden
  • 1. VERSPRECHEN Ich verspreche dir (hiermit),
    dass ich morgen komme oder
  • 2. WARNUNG Ich warne dich (hiermit) Morgen
    komme ich

78
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die explizit performative Formel kann auch so
    ausgedrückt werden
  • (1) Ich danke/Wir danken Euch, dass ihr Susi
    geholfen habt.
  • (2) Ich verspreche dir/Wir versprechen dir
    hiermit, morgen zu kommen.
  • (3) Die Patienten werden gebeten, ihre Chipkarte
    mitzubringen.
  • (4) Sie werden ermahnt, Ihre Bücher in der
    Bibliothek abzugeben.
  • (5) Es wird empfohlen, nicht zu rauchen.

79
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Wichtig Nicht alle Sprechhandlungen können in
    die explizit performative Formel transformiert
    werden, z. B.
  • Ich drohe dir (hiermit), dass ich morgen komme.
  • Dasselbe gilt für persuasive Sprechhandlungen
    oder für Sprechhandlungen, die mit verdeckter
    Strategie arbeiten (in denen also die
    illokutionäre Rolle nicht direkt erschließbar
    ist), vgl.
  • Ich überzeuge dich (hiermit), dass du es für
    mich machst.
  • Ich überrede dich (hiermit), es für mich zu
    machen.

80
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Vollzieht ein Sprecher einen illokutionären Akt,
    so kann er unter Umständen beim Rezipienten einen
    perlokutiven Effekt auslösen. Dieser Effekt tritt
    dann ein, wenn der Textproduzent mit seiner
    Äußerung praktische, emotionale oder primäre
    kognitive Wirkungen beim Rezipienten
    hervorgerufen hat Der Adressat kann eine
    bestimmte Handlung ausführen bzw. unterlassen,
    verärgert oder auch von etwas überzeugt sein.
  • Weitere Beispiele ÜBERREDEN, ERSCHRECKEN,
    ÜBERRASCHEN, TRÖSTEN, AUFHEITERN, BELEIDIGEN,
    IRREFÜHREN oder BEUNRUHIGEN.

81
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Illokution und Perlokution bedingen sich in der
    Regel nicht konventionell.
  • Den Akt der Lokution unterteilt AUSTIN (1989110)
    in drei Teilakte
  • 1. den phonetischen Akt (besteht im Äußern
    gewisser Geräusche bzw. Laute (phone))
  • 2. den phatischen Akt (besteht im Äußern gewisser
    Wörter, d. h. Geräusche bestimmter Gestalt, die
    zu einem bestimmten Vokabular gehören und einer
    gewissen Grammatik folgen)
  • 3. den rhetischen Akt (besteht darin, dass die
    Wörter dazu benutzt werden, um über etwas zu
    reden).

82
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Wir betrachten die folgende Abfolge (Austin
    1989119)
  • (1) Akt (A), Lokution
  • Er hat zu mir gesagt Das kannst du nicht tun!
  • Akt (B), Illokution
  • Er hat dagegen protestiert, dass ich das täte.
  • Akt (C), Perlokution
  • (C. a) Er hat mir Einhalt geboten.
  • (C. b) Er hat mich davon abgehalten, mich zur
    Besinnung gebracht, mich gestört.
  • (Wie man sieht, ist die Beziehung zwischen Akt A
    und B konventionalisiert, zwischen B und C
    dagegen nicht)

83
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Dass der Akt C der Perlokution mit der Form der
    Äußerung (A) über die Illokution (B) nicht
    konventionell verbunden ist, sieht man auch
    daran, dass der illokutive Akt (i. d. R.) durch
    die explizit performative Formel vollzogen werden
    kann, während dies beim perlokutiven Akt nicht
    der Fall ist, vgl.
  • (2) Ich beleidige dich hiermit
  • (3) Ich muntere dich hiermit auf
  • (4) Ich erfrage hiermit

84
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Handlungsbedingungen für den Vollzug einer
    Sprechhandlung nach SEARLE
  • Zentrale Frage Welche Bedingungen sind notwendig
    und hinreichend, damit ein bestimmter
    illokutionärer Akt mittels der Äußerung eines
    gegebenen Satzes vollständig vollzogen wird und
    gelingen kann?

85
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Zu den allgemeinen Voraussetzungen jeder Art
    menschlicher Kommunikation zählen folgende
    Bedingungen
  • 1. Es liegen Idealbedingungen für sinnvolles
    Sprechen und Hören ohne subjektive bzw.
    objektive, außersprachliche Störfaktoren vor, d.
    h. die Sprecher ( Sp) Sp1 und Sp2 sind nicht
    durch
  • - psychische oder physische Behinderungen bzw.
    objektive Störungen (z. B. Lärm) daran gehindert,
    an der Kommunikation zu partizipieren
  • - die Kommunikationsteilnehmer sind bereit, an
    der Kommunikation teilzunehmen und sich mit den
    Äußerungen der Gesprächspartner
    auseinanderzusetzen, d. h. die Kommunikation wird
    durch niemanden blockiert
  • - die Sprechhandlung wird ernsthaft vollzogen
    (Äußerungen in Spielen, als Beispielsätze im
    Sprach- und Linguistikunterricht oder in
    scherzhafter Rede werden als nicht ernsthaft
    ausgeschlossen).

86
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 2. Sp1 und Sp2 verständigen sich mit Hilfe eines
    gemeinsamen Codes.
  • 3. Das Kooperationsprinzip (siehe Grice
    1980113ff.) wird von allen Gesprächsteilnehmern
    befolgt.

87
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Zu den spezifischen Handlungsbedingungen für das
    Gelingen einer Sprechhandlung rechnet SEARLE
    (1992) folgende
  • 1. Wesentliche Bedingungen (essential
    conditions) sie beinhalten die kommunikative
    Intention und das Handlungsziel des Sprechers und
    stellen eine notwendige Bedingung für den Vollzug
    einer Sprechhandlung dar
  • 2. Einleitungsbedingungen (preparatory
    conditions) sie schildern die situativen
    Rahmenbedingungen und in wessen Interesse die
    Sprechhandlung stattfindet weiterhin besagen
    sie, dass die Sprechhandlung einen Sinn haben
    muss (z. B. kann man nicht jemanden zu etwas
    auffordern, wenn er dies bereits tut).

88
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 3. Aufrichtigkeitsbedingungen (sincerity
    conditions) sie zeigen, dass der Sprecher
    aufrichtig und ernsthaft beabsichtigt, seine
    Intention zu erreichen (z. B. muss ein Sprecher,
    der einen Adressaten zu etwas auffordert, auch
    wünschen, dass dieser der Aufforderung nachkommt
    ein Sprecher, der etwas behauptet, muss glauben,
    dass das, was er sagt, wahr ist ein Sprecher,
    der einen Rat erteilt, muss glauben, dass dieser
    dem Adressaten nützt).

89
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 4. Bedingungen des propositionalen Gehalts
    (propositional content condition) hierbei wird
    die Proposition von den übrigen Teilakten der
    Sprechhandlung isoliert diese Bedingungen legen
    die Art der Proposition fest, d. h. sie stellen
    fest, ob für einen Illokutionstyp jede
    Proposition möglich ist oder nur eine bestimmte
    und welche Merkmale diese kennzeichnen.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die drei Hauptkriterien, nach denen Searle die
    Sprechhandlungen klassifiziert sind
  • 1. Der illokutionäre Zweck (illocutionary point)
    darunter sind die kommunikativen und praktischen
    Absichten, die ein Sprecher mit seiner Äußerung
    verfolgt, zu verstehen der illokutionäre Zweck
    entspricht den wesentlichen Bedingungen
  • 2. die psychische Einstellung (psychological
    state), die der Sprecher mit der Sprechhandlung
    zum Ausdruck bringt (z. B. Überzeugung, Wunsch,
    Bedauern, Verärgerung usw.)
  • 3. die Anpassungsrichtung (direction of fit)
    zwischen den Worten und der Welt als Folge des
    illokutionären Zwecks.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Auf der Grundlage dieser drei Hauptkriterien
    unterscheidet SEARLE (1976) fünf Grundkategorien
    illokutiver Akte
  • ASSERTIVA Sp1 sagt, was der Fall ist und legt
    sich
  • auf die Wahrheit der Proposition
    fest (BEHAUPTEN, FESTSTELLEN)

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • DIREKTIVA Sp1 sagt, was Sp2 tun soll und versucht
    damit zu erreichen, dass Sp2 diese
    Handlung ausführt (BITTEN, BEFEHLEN,
    AUFFORDERN)
  • KOMMISSIVA Sp1 sagt, was Sp1 tun wird und legt
    sich darauf fest (VERSPRECHEN, GELOBEN)
  • EXPRESSIVA Sp1 sagt, was Sp1 oder Sp2 fühlen
    (DANKEN, KLAGEN, LACHEN)
  • DEKLARATIVA Sp1 sagt, was sozial oder
    institutionell gelten soll (ERÖFFNEN,
    TAUFEN, VERURTEILEN )

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Fortsetzung Grundlagen der Sprechhandlungsmustera
    nalyse (SHMA)
  • Das Gricesche Kooperationsprinzip und die Theorie
    der Konversationsimplikaturen
  • SEARLE wies darauf hin, dass die wörtlich
    indizierte Illokution von der tatsächlich
    vollzogenen Illokution abweichen kann. Betrachten
    Sie dazu das folgende Beispiel
  • Sp1 Herr Ober, ich bekam ein Bier.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • In diesem Satz weicht die Bedeutung des Satztyps
    von der tatsächlich vollzogenen (intendierten)
    Illokution insofern ab, als dass die Tempusform
    auf ein in der Vergangenheit liegendes Ereignis
    verweist. Mit dieser Äußerung stellt allerdings
    Sp1 nicht etwa fest, dass er ein Bier
    (tatsächlich) erhalten hat, sondern er vollzieht
    eine Sprechhandlung der MAHNUNG bzw. des
    INSISTIERENS, in der darauf verwiesen wird, dass
    er in der Vergangenheit eine direktive
    Sprechhandlung des BITTENS (etwa ich bekomme ein
    Bier) vollzogen hat, der aber der Kellner immer
    noch nicht nachgekommen ist.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Wenn eine illokutionäre Handlung X durch den
    Vollzug einer anderen illokutionären Handlung Y
    indirekt vollzogen wird, so wird erstere auch i
    n d i r e k t e Sprechhandlung genannt.
  • Ein weiteres Beispiel für eine indirekte
    Sprechhandlung
  • Können Sie mir sagen, wie spät es ist?
  • Formal (d. H. satztypisch) handelt es sich um
    einen Fragesatz. Dass Fragesätze aber nicht
    automatisch mit der Sprechhandlung FRAGEN
    zusammenfallen, sieht man an diesem Beispiel.
    Tatsächlich entspricht die Illokution der
    Sprechhandlung AUFFORDERUNG. Dies sieht man auch

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • daran, dass die Antwort nicht mit ja oder
    nein beantwortet werden kann, sondern dass
    danach die Auskunft erfolgen muss, vgl.
  • Sp1 Können Sie mir sagen, wie spät es ist?
  • Sp2 Ja. /Nein.
  • Sp2 915h.
  • (Natürlich kann ich mit nein antworten, indem
    ich freilich dann darauf hinweise, dass ich
    leider keine Uhr habe).

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Eine Erklärung, wie der Vollzug indirekter
    Sprechhandlungen in der Kommunikation möglich
    ist, stützt sich vor allem auf das von GRICE
    (1968, dt. 1980) formulierte K o o p e r a t i o
    n s p r i n z i p und das darauf beruhende
    Modell der konversationellen Implikatur.
  • Ausgehend davon, dass Sprechen einen besonderen
    Fall oder eine Variante Zweck gerichteten, also
    rationalen Handelns und Verhaltens darstellt und
    genuin kooperativ ist, postuliert der Logiker
    GRICE das Grundprinzip der Kommunikation, das er
    Kooperationsprinzip nennt.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • K o o p e r a t i o n s p r i n z i p (GRICE
    1968, dt. 1980)
  • Gestalte deinen Gesprächsbeitrag so, dass er
    dort, wo er im Gespräch erscheint, dem
    anerkannten Zweck dient, den du gerade mit deinen
    Kommunikationspartnern verfolgst. (GRICE
    1980113)
  • Das Kooperationsprinzip wird durch die vier
    Konversationsmaximen der Quantität, Qualität,
    Relation und Modalität konkretisiert, die
    folgendes besagen

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Konversationsmaximen der Quantität, Qualität,
    Relation und Modalität (nach GRICE)
  • A) Maxime der Q u a n t i t ä t (bezieht sich auf
    die Menge der gelieferten Information)
  • 1. Mache deinen Gesprächsbeitrag so informativ
    wie (für die augenblicklichen Gesprächszwecke)
    nötig.
  • 2. Mache deinen Gesprächsbeitrag nicht
    informativer als nötig.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • B) Maxime der Q u a l i t ä t Obermaxime
    Versuche deinen Gesprächsbeitrag so zu gestalten,
    dass er wahr ist.
  • 1. Behaupte nichts, von dessen Wahrheit du nicht
    überzeugt bist.
  • 2. Behaupte nichts, wofür du keine hinreichenden
    Beweise hast.
  • Anm. Kosta Der Schauprozess ist ein typisches
    Beispiel eines SHM dafür, wie Wahrheit (und damit
    die Maxime der Qualität) manipuliert bzw. außer
    Kraft gesetzt werden kann.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • C) Maxime der R e l a t i o n sei relevant.
  • D) Maxime der M o d a l i t ä t Obermaxime Sei
    klar.
  • 1. Vermeide Unklarheit im Ausdruck.
  • 2. Vermeide Mehrdeutigkeit.
  • 3. Vermeide Weitschweifigkeit.
  • 4. Vermeide Ungeordnetheit.
  • Hausaufgabe zum 24.05.06 Geben Sie Beispiele
    für die Verletzung der vier Konversationsmaximen
    in verschiedenen Sprechhandlungen des
    analysierten Textes (Kosta 1998 122-126) an

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • 5. Textsorte Schauprozess/Polizeiverhör
  • 5.1 Die Typologie der Textsorte/des
    Sprechhandlungs-musters ltSchauprozessgt
  • Makrostruktureller Rahmen Anklage
    Verteidigung
  • Mikrostrukturelle Sequenzen von Sprechhandlungen
    Behauptung Widerspruch Eingestehen
    (Geständnis)
  • Diese Entsprechungen sind feststellbar trotz
    oder gerade wegen der Tatsache, dass es bei den
    Voruntersuchungen, dem Prozess selbst und dem
    Prozessbericht um Inszenierung, Fälschung,
    Konstruktion u. a. m. geht.

103
28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die im vorliegenden Teil behandelte Problematik
    stellt den metakommunikativen Gesichtspunkt im
    Dialog vor Gericht in den Mittelpunkt.
  • Der hohe Anteil solcher Einheiten (d. h.
    Metakommunikation, Metadialog, Master Speech Act)
    ist zwar keine Besonderheit des Schauprozesses
    als Subtyp der Textsorte ltProzess, Verhör,
    Vernehmunggt.
  • Wohl scheint es aber für den Prozess im Jahre
    1938 (ebenso wie für die von 1936 und 1937)
    besonders charakteristisch, dass die
    thematische Führung und Leitung des
    Prozesses/der Prozesse durch den Staatsanwalt
    Andrej Vyšinskij und weniger durch den
    Vorsitzenden Richter wahrgenommen wird.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Hieraus resultieren gewisse Besonderheiten des
    Schauprozesses gegenüber anderen Prozessen, u. a.
    Der vergleichsweise hohe Anteil an solchen
    metakommunikativen Einheiten, die man nach FOTION
    (1971, 1978) als Master Speech Act bezeichnet.
  • Im forensischen Dialog liegt, was die Möglichkeit
    zur Ergreifung des Wortes angeht (sog.
    Rederechtvergabe, Rederechtsteuerung oder
    Rederechtorganisation), eine
  • A s y m m e t r i e vor. Die leitende bzw.
    die vernehmende Instanz hat das Recht der
    Redevergabe bzw. der S t e u e r u n g von
    Themen und Problemen im Verhör.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Diese Asymmetrie wird im untersuchten
    Schauprozess besonders deutlich, weil der
    Staatsanwalt in teilweise sehr aggressiver Weise
    seine Formulierungen wählt und den Angeklagten in
    seinem Argumentationsspielraum einzuengen
    versucht.
  • Metakommunikation nach Freidhof (199696)
  • Unter Metakommunikation will ich im folgenden
    zunächst eine solche Kommunikation verstehen, bei
    der ein Kommunikat, das auf einen bestimmten
    Sachverhalt referiert, durch ein zweites oder
    drittes Kommunikat ersetzt wird, das auf
    denselben Sachverhalt referiert, und durch einen
    sprachlichen Indikator angezeigt wird.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Metakommunikation liegt dann vor, wenn ich Y für
    X benutze oder diesen Wechsel beim Partner
    akzeptiere und gleichzeitig voraussetze, dass
    sich beides auf den Bezugsrahmen Z bezieht.
    (Freidhof, a.a.O.)
  • Eine zweite spezifische Art von Metakommunikation
    liegt dann vor, wenn Sprechakt bezeichnende
    Ausdrücke in metakommunikativen Sprechakten
    Verwendung finden, wenn Sp2 z. B. eine Äußerung
    von Sp1 in der Replik als ltBehauptunggt oder
    ltWiderspruchgt einstuft.

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28101 Die Sprache der Macht und die Macht der
Sprache
  • Die Metakommunikation bietet einen Rahmen, um das
    Gelingen von Sprechakten in der Interaktion
    kurzfristig zu garantieren, im günstigsten Fall
    bereits mit der Folgereplik.
  • Metakommunikation kommt sowohl in Alltagsdialogen
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